Ratgeber

Welche Temperatur braucht ein Terrarium?

Gradient, Sonnenplatz, Messpunkte und Nachtabsenkung, dazu Werte für zehn Tierarten und Lösungen bei zu kalt oder zu heiß.

7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 03.11.2026

Die richtige Temperatur im Terrarium hängt von der Art ab: Das Gutachten (Fassung vom 10.01.1997) nennt für den Leopardgecko 22–28 °C Grundtemperatur und lokal 35 °C am Sonnenplatz, für die Bartagame 25–30 °C und lokal 50 °C. Entscheidend ist ein Temperaturgefälle von der warmen zur kühlen Seite, dazu eine Nachtabsenkung, ein Thermostat am Wärmeplatz und Messpunkte auf beiden Seiten.

Redaktion Terrarium-RatgeberAktualisiert am 03.11.2026So vergleichen wir

Warum braucht das Terrarium ein Temperaturgefälle?

Reptilien sind wechselwarm. Ihre Körpertemperatur folgt der Umgebung, und sie steuern sie, indem sie zwischen warmen und kühlen Orten wechseln. Das Gutachten verlangt deshalb in der Regel ein Temperaturgefälle im Haltungssystem und zusätzlich eine Nachtabsenkung. Das Tier soll sich die passende Körpertemperatur selbst suchen können. Dieses Gefälle heißt Temperaturgradient.

Du baust es auf, indem Du die Wärmequelle an eine Seite setzt, nicht in die Mitte. Die andere Seite bleibt deutlich kühler. Baines et al. betonen, dass bei Wärme und UV die gesamte Körperlänge in der obersten Zone Platz finden muss, nicht nur Kopf oder Vorderkörper. Der wärmste Bereich muss also groß genug sein.

Was ist der Sonnenplatz?

Der Sonnenplatz (englisch Basking-Spot) ist der Ort, an dem sich das Tier aufwärmt: ein Ast, ein Stein oder eine Plattform direkt unter der Lampe. Dort sammeln sich Wärme, Helligkeit und meist UV. Die Zielwerte unterscheiden sich stark, das Gutachten nennt für die Bartagame lokal etwa 50 °C, für den Leopardgecko etwa 35 °C. Wichtig ist, dass das Tier ohne Verbrennungsgefahr ausweichen kann. Das Gutachten weist ausdrücklich auf die Verbrennungsgefahr durch Lampen hin.

Wo und wie Du die Temperatur misst

Das Gutachten verlangt, dass geeignete Messgeräte für Temperatur und Luftfeuchte vorhanden sind. Eine einzelne Messstelle sagt aber wenig. Wir empfehlen mindestens diese Punkte:

  1. Sonnenplatz. Miss die Temperatur an der Liegefläche, nicht in der Luft darüber. Reptilien nehmen Wärme vor allem über die Oberfläche auf.
  2. Warme Seite, Bodenhöhe. Hier hält sich das Tier auf, wenn es nicht sonnt.
  3. Kühle Seite. Sie zeigt, wie weit der Gradient abfällt und wie weit die Nachtabsenkung geht.
  4. Unabhängiges Thermometer. Prüfe den Thermostat-Fühler gegen ein zweites Messgerät.

Günstige Geräte weichen voneinander ab. Hänge zwei Geräte versuchsweise nebeneinander auf und halte fest, wie stark sie differieren. Nutze den Wert als Orientierung und notiere Höchst- und Tiefstwerte über den Tag.

Wie weit sollte die Temperatur nachts sinken?

Im Herkunftsgebiet der meisten Reptilien wird es nachts kühler. Im Terrarium bildest Du das nach, indem Du Heizung und Lampen ausschaltest oder per Thermostat herunterregelst. Das Gutachten nennt eine Nachtabsenkung in der Regel als notwendig. Die Werte im Gutachten: bei der Kornnatter 18–20 °C nachts, beim Königspython rund 5 °C weniger als tagsüber, bei vielen Chamäleons 5–8 °C. Fällt die Raumtemperatur ohnehin unter den Zielwert, brauchst Du nachts eine Grundheizung, denn ein Abfall unter die Mindestwerte der Art schadet. Behalte auch die Dunkelphase bei, Licht und Dunkelheit geben den Rhythmus vor.

Welche Temperaturen nennt das Gutachten je Tierart?

Alle Zahlen stammen aus dem Gutachten (Fassung vom 10.01.1997), bei Pfeilgiftfrosch und Vogelspinne aus den unten genannten Fachquellen. Eine Neufassung ist laut BMLEH in Arbeit und noch nicht veröffentlicht. Die UV-Zone nach Ferguson (Baines et al. 2016) steht daneben, weil Wärme und UV am gleichen Platz zusammenkommen.

TierartTemperatur (Tag, Sonnenplatz, Nacht)UV-Zone
Bartagame25–30 °C, Sonnenplatz lokal 50 °CZone 3–4
Leopardgecko22–28 °C, Sonnenplatz lokal 35 °CZone 1
Kornnatter22–28 °C, lokal 28–32 °C, nachts 18–20 °CZone 1–2
Königspython26–32 °C, Wärmeplatz 34–38 °C, nachts ca. 5 °C kühlerZone 2
LandschildkröteStrahlungswärme ca. 45 °C, Luft mind. 23–26 °CZone 3
Chamäleon20–30 °C, nachts 5–8 °C kühlerZone 3
Kronengecko20–25 °C, lokal 30 °CZone 1
Wasserschildkröte (Trachemys)Luft und Wasser mind. 23–26 °C, Strahlungswärme ca. 30 °CZone 3–4
Vogelspinne (Brachypelma, BfN)Zimmertemperatur 20–28 °Ckein UV nötig
Pfeilgiftfrosch (VDA/DGHT)22–30 °Cim Gutachten nicht angegeben

Nicht jede Art hat im Gutachten alle Spalten. Wo ein Nachtwert fehlt, nennen wir keinen, weil er nicht belegt ist. Die Werte sind für ausgewachsene Tiere gemeint. Für Jungtiere, kranke Tiere und besondere Unterarten frag eine reptilienkundige Tierarztpraxis. Eine Art, die hier fehlt, findest Du im Terrarium-Rechner, der die Mindestgrößen je Art berechnet.

Ist ein Thermostat Pflicht?

Das Gutachten schreibt kein Gerät dieser Art vor. Es verlangt ein Temperaturgefälle, eine Nachtabsenkung und Messgeräte. Nach unserer Einordnung gehört jede Wärmequelle an einen Thermostat, denn nur so hältst Du den Sollwert und begrenzt die Hitze. Exo Terra unterscheidet drei Bauarten: Ein Ein-Aus-Thermostat schaltet die Last vollständig ein oder aus, ein Dimmthermostat verändert die Leistung stufenlos, ein Pulsthermostat gibt sie in getakteten Impulsen ab. Ein Ein-Aus-Gerät ist einfach und günstig, führt aber zu größeren Schwankungen. Für Heizlampen eignet sich eine schonendere Regelung.

  • Platziere den Fühler dort, wo das Tier liegt, nicht frei in der Luft.
  • Prüfe die Anschlussleistung. Die Wattzahl des Verbrauchers darf sie nicht überschreiten.
  • Nutze eine Tag-Nacht-Funktion für die Absenkung, wenn Dein Gerät sie hat.
  • Kontrolliere die Werte mit einem unabhängigen Thermometer.
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Dieser Thermostat nutzt laut Hersteller PID-Technik und passt die Leistung der angeschlossenen Heizung stufenlos an. Der Regelbereich liegt bei 0–50 °C. Das passt für Grundtemperaturen und Wärmeplätze von 28–38 °C. Für 50 °C direkt am Sonnenplatz einer Bartagame kommt er an die Grenze, hier sollte der Fühler anders platziert oder ein Gerät mit höherem Regelbereich gewählt werden. Das Gerät ersetzt kein unabhängiges Thermometer. Weitere Wärmequellen und ihre Eignung zeigt unser Ratgeber Terrarium heizen. Wenn UV am Sonnenplatz dazukommt, schau in den Vergleich UVB-Lampen, damit Wärme und UV zusammenpassen.

Zu kalt, zu heiß: Fehlerbilder und Lösung

Gesundheitsfolgen falscher Temperaturen kann nur eine Tierarztpraxis beurteilen. Wir beschränken uns auf Fehler, die Du messen kannst. Ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.

BefundMögliche UrsacheLösung
Sonnenplatz erreicht den Zielwert nichtWärmequelle zu schwach, zu weit entfernt, Fühler falsch platziertLeistung oder Abstand anpassen, Oberflächentemperatur an der Liegefläche messen
Kühle Seite liegt unter dem Mindestwert der ArtRaum zu kalt, zu große BelüftungsflächenGrundheizung ergänzen, Lüftung in kleinen Schritten verkleinern
Kaum Gefälle, alles gleich warmWärmequelle mittig, zu kleines BeckenQuelle an eine Seite setzen, Mindestmaß prüfen
Nachts bleibt es zu warmLampe läuft durch, Thermostat ohne NachtwertTag-Nacht-Funktion nutzen oder Zeitschaltuhr einsetzen
Zu heiß am SonnenplatzLampe zu stark oder zu nahAbstand nach Herstellerangabe vergrößern, Berührungsschutz anbringen
Werte schwanken starkEin-Aus-Regelung, Fühler im LuftzugDimm- oder PID-Thermostat, Fühler geschützt platzieren

Wenn Dein Tier sich auffällig verhält, miss zuerst, dann ruf die Tierarztpraxis an. Vermute nicht allein anhand von Verhalten, dass es an der Temperatur liegt.

Was kostet die Wärme?

Die Leistungsangaben stammen laut Hersteller. Bei 37,3 ct/kWh (BDEW-Strompreisanalyse Oktober 2026) kostet ein Wärmespot mit 25 Watt bei 12 Stunden täglich rund 40,84 € im Jahr. Ein Heatpanel mit 50 Watt im Dauerbetrieb kommt auf rund 163,37 €. Das sind Obergrenzen, denn der Thermostat schaltet die Heizung ab, sobald der Sollwert erreicht ist. Je kälter der Raum, desto länger läuft sie.

Häufige Fragen

Welche Temperatur braucht ein Leopardgecko?

Das Gutachten nennt 22–28 °C Grundtemperatur und lokal etwa 35 °C am Sonnenplatz. Die kühle Seite sollte darunter bleiben, damit ein Gefälle entsteht.

Wie heiß darf der Sonnenplatz der Bartagame sein?

Das Gutachten nennt lokal 50 °C. Das Tier muss dem Hotspot ausweichen können, und die Lampe darf nicht so nah hängen, dass es sich verbrennen kann.

Muss ich nachts heizen?

Das hängt von Art und Raum ab. Das Gutachten verlangt in der Regel eine Nachtabsenkung, aber nicht unter die Mindestwerte der Art. Ist der Raum nachts zu kalt, brauchst Du eine Grundheizung.

Wo gehört der Thermostat-Fühler hin?

An die Stelle, an der das Tier liegt, nicht frei in die Luft. Nur dort regelt der Thermostat die Temperatur, die das Tier tatsächlich erlebt.

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmelampe?

Leistung in Watt geteilt durch 1.000 mal Stunden ergibt Kilowattstunden. Ein 25-Watt-Spot kommt bei 12 Stunden auf 0,30 kWh am Tag.

Quellen

  1. Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien, Sachverständigengruppe tierschutzgerechte Haltung von Terrarientieren, BMLEH, Fassung vom 10.01.1997
  2. Baines et al.: How much UV-B does my reptile need? The UV-Tool, Journal of Zoo and Aquarium Research 4(1), 2016
  3. On/Off, Dimming or Pulse Proportional?, Exo Terra Academy, Hersteller
  4. Haltungsrichtlinien für die Haltung von Anuren, VDA und DGHT, Sachkundenachweis Terraristik, Stand 31.12.2006
  5. Mindestanforderungen für die Haltung von Brachypelma-Arten, Bundesamt für Naturschutz, 12.04.1999
  6. BDEW-Strompreisanalyse, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, Oktober 2026 (Haushalte, Durchschnitt 37,3 ct/kWh)
  7. Produktangaben laut Hersteller und Amazon-Produktdaten (KETOTEK, Exo Terra, M&S Reptile Climate)

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